Half Square

Ratgeber

Eingangsrechnungen automatisieren: was geht, was nicht

Rechnungen auslesen und weitergeben lässt sich gut automatisieren, prüfen teilweise. Die Freigabe einer Zahlung gehört in menschliche Hände. Wo feste Regeln reichen, wo KI hilft und wann ein Mensch entscheiden sollte.

Half-Square-Team, Berlin-Schöneweide · Stand

Eingangsrechnungen lassen sich zu einem großen Teil automatisch verarbeiten: Eingang erkennen, Daten auslesen, Pflichtangaben prüfen, an die Buchhaltungssoftware übergeben, ablegen. E-Rechnungen sind dabei der einfachste Fall, weil die Daten maschinenlesbar mitkommen. Bei PDF-Rechnungen hilft KI beim Auslesen, macht aber Fehler. Die Freigabe einer Zahlung sollte immer ein Mensch erteilen.

Wer im Netz nach diesem Thema sucht, findet vor allem Anbieter von Software, die hohe Quoten an „Dunkelverarbeitung“ versprechen. Solche Zahlen hängen stark davon ab, welche Rechnungen bei Ihnen ankommen. Dieser Artikel beschreibt den Ablauf so, wie wir ihn bei unserer KI-Automatisierung für Belege und Rechnungen bauen, und vor allem die Stellen, an denen Automatisierung aufhören sollte.

Wie lassen sich Eingangsrechnungen automatisieren?

Eine automatische Rechnungsverarbeitung folgt immer demselben Ablauf. Eine Person greift nur ein, wenn etwas nicht eindeutig ist.

  1. Rechnung empfangen: Eine feste E-Mail-Adresse nimmt alle Rechnungen entgegen, der Ablauf holt die Anhänge ab.
  2. Format erkennen: XRechnung, ZUGFeRD, PDF oder Scan bestimmen den Weg des Auslesens.
  3. Daten auslesen: Nummer, Datum, Lieferant, Beträge, Steuersatz und Bankverbindung werden erfasst.
  4. Angaben prüfen: Pflichtangaben, Rechenwerte und Lieferant werden mit festen Regeln kontrolliert.
  5. Dubletten abgleichen: Dieselbe Rechnungsnummer vom selben Lieferanten wird erkannt.
  6. Weiche stellen: Eindeutige Rechnungen gehen an die Buchhaltungssoftware, unklare mit Begründung an eine Person.
  7. Protokoll schreiben: Jeder Schritt wird festgehalten, damit die Entscheidung nachvollziehbar bleibt.

Die Schritte 1, 2, 4 und 5 sind feste Regeln, die zuverlässig laufen. Schritt 3 braucht je nach Format KI, und an Schritt 6 entscheidet sich, ob der Ablauf vertrauenswürdig ist.

Was zuverlässig automatisch geht

E-Rechnungen: XRechnung und ZUGFeRD

Eine XRechnung ist eine XML-Datei nach der europäischen Norm EN 16931. Jedes Feld steht an einer festen Stelle: Rechnungsnummer, Steuerbetrag, IBAN. Eine ZUGFeRD-Rechnung sieht für Menschen aus wie ein normales PDF, trägt aber dieselben Daten als XML-Datei in sich.

Für die Automatisierung ist das der beste Fall. Das Auslesen erledigt eine feste Regel, ganz ohne Texterkennung und ohne KI. Ein Sprachmodell wäre an dieser Stelle teurer, langsamer und fehleranfälliger als die Regel.

Seit dem 1. Januar 2025 müssen Unternehmen in Deutschland im B2B-Geschäft E-Rechnungen empfangen können (BMF, Fragen und Antworten zur E-Rechnung). Welche Fristen für den Versand gelten, steht ebenfalls dort. Für die Automatisierung heißt das: Mit den Versandpflichten ab 2027 und 2028 wird der Anteil sauber lesbarer Rechnungen steigen.

PDF-Rechnungen von Stammlieferanten

Viele Betriebe bekommen den Großteil ihrer Rechnungen von einer Handvoll Lieferanten, deren Rechnungen immer gleich aussehen. Für solche Lieferanten lohnt eine feste Vorlage: Der Betrag steht immer rechts unten, die Rechnungsnummer immer oben. Das ist robust, solange der Lieferant sein Layout nicht ändert. Tut er es, schlägt die Prüfung in Schritt 4 an, und die Rechnung landet beim Menschen statt falsch in der Buchhaltung.

Zuordnen, ablegen, weitergeben

Viel Zeit kostet oft die Arbeit rund um die Rechnung: Anhänge aus Mails ziehen, umbenennen, in den richtigen Ordner legen, an die Steuerberatung weiterleiten. Das ist Fleißarbeit mit festen Regeln und ein guter Einstieg in jede Belegautomatisierung.

Wo KI hilft

Ein Sprachmodell lohnt sich dort, wo Text verstanden werden muss und kein festes Muster existiert.

Typische Fälle sind Rechnungen von Lieferanten, die nur einmal im Jahr schreiben, mit einem Aufbau, den der Ablauf noch nie gesehen hat. Oder eine Leistungsbeschreibung wie „Wartung Klimaanlage Lager 2, Quartal 3“, die einer Kostenstelle zugeordnet werden soll. Eine feste Regel scheitert daran, ein Modell trifft meist die richtige Wahl.

Nur meist: Ein Modell liest gelegentlich einen Betrag falsch, verwechselt Netto und Brutto oder erfindet eine Rechnungsnummer, wenn das Dokument unscharf ist. Deshalb behandeln wir alles, was ein Modell liefert, wie einen Vorschlag. Die Rechenprüfung aus Schritt 4 läuft trotzdem, und bei Unsicherheit geht die Rechnung an einen Menschen.

Ein Sprachmodell als einzelner Schritt in einem festen Ablauf ist etwas anderes als ein KI-Agent, der selbst entscheidet, was als Nächstes passiert. Für Rechnungen reicht fast immer der feste Ablauf. Den Unterschied erklärt der Ratgeber KI-Agent oder feste Regel.

Was nicht automatisch gehen sollte

AufgabeLösungWarum
Daten aus XRechnung oder ZUGFeRD lesenfeste RegelDaten liegen strukturiert vor, Regel ist exakt
Pflichtangaben und Rechenweg prüfenfeste Regelnachprüfbar, kein Interpretationsspielraum
Dubletten erkennenfeste RegelVergleich von Lieferant und Rechnungsnummer
PDF mit unbekanntem Aufbau auslesenSprachmodell, danach PrüfungAufbau wechselt, Ergebnis braucht Kontrolle
Leistungsbeschreibung einer Kostenstelle zuordnenSprachmodell als VorschlagText muss verstanden werden
Geänderte Bankverbindung eines LieferantenMenschklassisches Muster bei Rechnungsbetrug
Rechnung ohne passende BestellungMenschbraucht Rückfrage im Betrieb
Zahlung freigebenMenschGeld verlässt das Unternehmen

Zur geänderten Bankverbindung ein paar Sätze mehr. Gefälschte Rechnungen, die wie die eines bekannten Lieferanten aussehen, aber auf ein anderes Konto zahlen lassen, sind eine bekannte Betrugsmasche. Ein Ablauf, der Rechnungen automatisch zur Zahlung vorbereitet, muss eine neue IBAN deshalb immer anhalten und an einen Menschen geben. Der ruft beim Lieferanten unter der bekannten Nummer an. Ein Sprachmodell kann diese Prüfung nicht ersetzen, weil die Fälschung für ein Modell genauso echt aussieht wie für einen Menschen.

Das Prinzip dahinter nennt man Human-in-the-Loop: Die Maschine bereitet vor, und ein Mensch entscheidet, wenn der Ablauf unsicher ist oder ein Fehler echten Schaden anrichten würde.

Voraussetzungen, bevor Sie automatisieren

  • Rechnungen kommen digital an. Papierpost lässt sich scannen, aber jeder Scan ist eine Fehlerquelle mehr. Bitten Sie Lieferanten um Rechnungen per E-Mail, am besten als E-Rechnung.
  • Es gibt eine Eingangsadresse. Solange Rechnungen an fünf verschiedene Postfächer gehen, sammelt der Ablauf sie nicht zuverlässig ein.
  • Die Stammdaten stimmen. Lieferanten mit Bankverbindung und Kostenstellen sollten gepflegt sein. Sonst kann der Ablauf nichts abgleichen.
  • Das Zielsystem hat eine Schnittstelle. Ob DATEV, Lexware Office, sevDesk oder ein eigenes ERP: Ohne Import oder Schnittstelle endet die Automatisierung beim Ordner.

Selbst bauen oder fertige Software?

Für reine Belegerfassung gibt es fertige Programme, und für viele kleine Betriebe sind sie die richtige Wahl. Wenn Ihre Buchhaltungssoftware Belege schon gut ausliest, brauchen Sie keine eigene Automatisierung.

Eine eigene Lösung lohnt sich, wenn mehrere Systeme beteiligt sind, etwa Warenwirtschaft, Buchhaltung und ein Freigabeprozess im Team. Oder wenn Sie Sonderregeln haben, die keine Standardsoftware abbildet. Wir bauen solche Abläufe meist mit n8n (warum n8n und nicht Make oder Zapier) und binden sie an die Software an, die Sie schon nutzen. Wie wir Schnittstellen zu bestehender Software bauen, steht auf einer eigenen Seite.

Datenschutz und Aufbewahrung

Rechnungen enthalten personenbezogene Daten, spätestens bei Einzelunternehmern oder Ansprechpartnern. Für die Verarbeitung gelten die üblichen Regeln: Datenort kennen, Verträge zur Auftragsverarbeitung schließen, Zugriffe beschränken. Besonders bei Sprachmodellen lohnt ein zweiter Blick, weil jeder Aufruf Daten an einen Anbieter schickt. Worauf es dabei ankommt, steht im Ratgeber n8n DSGVO-konform betreiben.

Dazu kommt das Steuerrecht. Nach den GoBD müssen Belege unveränderbar und nachvollziehbar aufbewahrt werden. Bei einer E-Rechnung muss zumindest der strukturierte Teil, also die XML-Datei, in seiner ursprünglichen Form aufbewahrt werden. Ein daraus erzeugtes PDF reicht nicht. So steht es im BMF-Schreiben vom 15. Oktober 2024, geändert am 15. Oktober 2025. Der Ablauf sollte das Original ablegen und jeden Verarbeitungsschritt protokollieren. Ihre Steuerberatung sollte die Ablage einmal gesehen haben, bevor der Ablauf live geht.

Das prüfen Sie selbst

  • Wie viele Ihrer Rechnungen kommen schon als XRechnung oder ZUGFeRD? Ein Monat im Posteingang reicht als Stichprobe.
  • Hält Ihr heutiger Ablauf eine geänderte Bankverbindung an, bevor gezahlt wird?
  • Wer erfährt davon, wenn eine Rechnung nicht gelesen werden konnte, und bis wann?
  • Liegt bei E-Rechnungen die XML-Datei unverändert in Ihrer Ablage, nicht nur ein daraus erzeugtes PDF?

So betreiben wir es

In Ihren Projekten laufen Rechnungsabläufe standardmäßig auf Servern in der EU, auf Wunsch bei Ihnen im Haus. Welche Dienste beteiligt sind, auch beim Sprachmodell, steht vor dem Start in der Liste der Unterauftragnehmer zum Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Für jeden Schritt gilt Regel vor Modell: Was eine feste Regel prüfen kann, prüft kein Sprachmodell. Wo ein Modell Text auslesen oder zuordnen muss, bleibt sein Ergebnis ein Vorschlag, den die Rechenprüfung kontrolliert. Zahlungen und neue Bankverbindungen gibt immer ein Mensch frei.

Quellen

Häufige Fragen

Kann KI Rechnungen fehlerfrei auslesen?

Nein. Bei PDF-Rechnungen mit wechselndem Aufbau liest auch ein gutes Modell gelegentlich einen Betrag oder ein Datum falsch. Deshalb gehören eine Plausibilitätsprüfung und ein Weg zum Menschen in jeden Ablauf. Bei E-Rechnungen im Format XRechnung oder ZUGFeRD stellt sich die Frage kaum, weil die Daten dort maschinenlesbar mitgeliefert werden.

Brauche ich für E-Rechnungen noch Texterkennung?

Für den Inhalt nicht. XRechnung ist eine XML-Datei, ZUGFeRD ein PDF mit eingebetteter XML-Datei. Beide lassen sich mit festen Regeln direkt auslesen. Texterkennung braucht es nur noch für Papier, Scans und reine PDF-Rechnungen.

Was passiert mit Rechnungen, die der Ablauf nicht lesen kann?

Sie landen bei einer Person, die sie von Hand bearbeitet, zusammen mit dem Hinweis, woran es gescheitert ist. Dieser Weg muss vor dem Start festgelegt sein. Ein Ablauf, der unlesbare Rechnungen still liegen lässt, ist schlechter als gar keiner.

Funktioniert das mit meiner Buchhaltungssoftware?

Meist ja, sofern die Software eine Schnittstelle oder einen Import für Belege hat, etwa DATEV, Lexware Office oder sevDesk. Wie gut die Anbindung wird, hängt davon ab, was die Schnittstelle zulässt. Das klären wir im Einzelfall, bevor es ein Angebot gibt.

Lassen Sie uns 15 Minuten reden.

Sie erzählen, welcher Ablauf Sie Zeit kostet. Wir sagen, ob sich eine Automatisierung lohnt, und wenn nicht, warum. Mehr zu unserer Arbeit: KI-Automatisierung für Unternehmen in Berlin.

Das Erstgespräch ist kostenlos, Sie sprechen direkt mit den Entwicklern. Auf Nachrichten antworten wir innerhalb von vier Werkstunden.

Alle Ratgeber